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Burnout: vom Manager- zum Müttersyndrom

Früher als typische Managerkrankheit verschrien, tritt Burnout heute immer öfter auch in anderen Bereichen auf. Berufstätige Mütter trifft es dabei besonders häufig. Denn zwischen Job und Kindererziehung wächst das Gefühl, keinem der beiden vollständig gerecht zu werden.

Zweihundert Prozent. Jeden Tag. Rund um die Uhr

In einer bekannten Fernsehwerbung heißt es: „Mütter nehmen sich nicht frei“. Mütter nehmen ein Medikament, wenn sie krank sind. Ausruhen? Wer hat schon Zeit dafür, wenn das Kind bespaßt und erzogen werden will. Wehwehchen und Langweile hat. Und irgendwo in der Ecke liegt noch ein Haufen anderer Dinge, die erledigt werden müssen. Vom Pflichtmeeting am nächsten Morgen ganz zu schweigen. Zu Hause werden einhundert Prozent Mutterdasein gefordert, im Job nicht weniger. Das ergibt zweihundert Prozent. Jeden Tag. Rund um die Uhr.

Egal was man tut, es ist nie genug

Bei vielen Müttern macht sich daher das Gefühl breit, in allen Bereichen zu versagen: „Egal was man tut, man hat den Eindruck es ist nie genug“, erklärt Mareike, Mutter eines vierjährigen Sohns und in Teilzeit berufstätig. Das Resultat: Schlafstörungen und Gewissensbisse. „Bevor die Diagnose Burnout kam, fühlte ich mich in allen Bereichen unzureichend – als Ehefrau, Mutter und im Job. Wenn ich nach Hause kam, warteten zig andere Aufgaben auf mich. Ich wollte mich darüber nie beschweren, schließlich hatte ich es mir so ausgesucht. Aber irgendwann haben sich immer mehr Selbstvorwürfe breit gemacht“, sagt sie. Nachts bekam Mareike kaum noch ein Auge zu. Ihre Gedanken kreisten stundenlang. Sie machte sich Vorwürfe, nicht richtig Ordnung zu halten, erneut zu spät auf der Arbeit erschienen zu sein und ihrem Ehemann nicht mehr die Frau zu sein, die sie zuvor war. Lebensfroh und energiegeladen.

Prioritätensetzung statt Perfektionismus

Irgendwann kam der Punkt, an dem Mareike entschied, aktiv gegen ihre Überforderung anzugehen: „Ich war wirklich am Ende – nervlich als auch körperlich. Ich habe meinen Sohn wegen Kleinigkeiten angeschrien, mit meinem Mann pausenlos gestritten. An der Arbeit kreisten meine Gedanken um die restlichen To Dos des Tages und die Angst, den Aufgaben nicht gerecht zu werden. In allen Bereichen war ich überfordert.“ Ein Termin bei ihrem Hausarzt sollte dann vieles ändern. Er riet ihr zu einer Auszeit, um sich sammeln zu können. Ihre Krankenkasse übernahm eine Mütterkur im Allgäu. Ein Mix aus Massagen, Wandern, Sport, Basteln und psychologischen Gesprächen halfen ihr bei dem ersten Schritt aus dem Burnout. „Ich habe gelernt mir auch mal Fehler zuzugestehen. Keiner kann überall 150% geben. Und das muss man auch nicht. Zuvor war mir das so nie bewusst“, erklärt Mareike. Sie möchte die schönen Dinge wieder genießen und nicht bereits den nächsten Termin im Hinterkopf haben. „Das klappt soweit auch ganz gut“, sagt sie. Es gebe eben nur ein gewisses Energiepensum, das aufgeteilt werden muss. Statt Perfektionismus regiere nun die Prioritätensetzung.

Jede fünfte Frau betroffen

So wie Mareike geht es heutzutage vielen anderen Frauen. Mittlerweile ist es im Schnitt jede fünfte, die unter Nervosität, Gereiztheit, Angst- und Schlafstörungen, Erschöpfung, Herzrasen, häufigen Infekten, Antriebslosigkeit, Depressivität oder Migräne in Folge eines Burnouts leidet. Grund dafür sind häufig zu hohe Ansprüche an sich selbst oder fehlende Anerkennung aus dem Umfeld. Dennoch scheuen sich viele Betroffene, nach Hilfe zu suchen. Auch bei Mareike war die Angst vor Unverständnis immens. Bis zuletzt wollte sie die Fassade aufrechterhalten. Doch irgendwann konnte sie einfach nicht mehr. Anderen Müttern rät sie daher dringend, auf die Erschöpfungssignale des Körpers zu hören: „Ich achte mittlerweile bewusster auf mich selbst, gönne mir auch mal eine Pause und gebe mich mit weniger zufrieden. Manchmal tun es auch die Spaghetti statt das vitaminreiche Bio-Essen“, sagt sie und fügt an: „Man sollte nicht immer nur grübeln, was falsch gelaufen ist, sondern auch die positiven Dinge reflektieren. Irgendwann merkt man auch, dass man gar nicht so viel verkehrt macht.“

Mareike war einige Wochen in der St. Marien Klinik im Allgäu. Ähnliche Kuren gibt es auch für Väter in Erziehungsverantwortung!

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